Um Verbraucher auf seinem Marktplatz bei der Wahl der richtigen Produkte zu unterstützen, versieht Amazon einige Artikel mit dem Label „Amazon’s Choice“. Bereits seit November 2017 versucht das Unternehmen so, User mit wenigen Klicks zum Ziel zu führen. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen kritisierte das weiß-orangene Label jetzt. Denn: Eine Untersuchung von 50 Artikeln hatte gezeigt, dass diese nicht die von Amazon selbst aufgestellten Kriterien erfüllen. Was soll Produkte mit dem Label laut Amazon ausmachen? Und inwiefern trifft das laut der Verbraucherzentrale nicht zu?

Das verspricht das Label „Amazon’s Choice“

Fahren Verbraucher mit der Maus über das Siegel, zeigt Amazon an, dass das Produkt „sehr gut bewertet“ und „sofort lieferbar“ sein sowie einen attraktiven Preis haben soll. Das Unternehmen gab gegenüber „Business Insider“ an, Kunden so helfen zu wollen, Artikel leichter auszuwählen. Es empfiehlt dabei Produkte, von denen der Marktplatz denkt, dass es Kunden gefallen könnte.

Um ein Produkt mit dem Label auszuzeichnen, berücksichtigt Amazon eigenen Angaben zufolge unter anderem Verfügbarkeit, Beliebtheit, Kundenrezensionen, Sternebewertungen, Preis, Rücksenderaten, Produktqualität und Kundenservice-Anfragen. Weitere Details zu dem Auswahlverfahren nennt Amazon auf seiner US-amerikanischen Webseite: Mit „Amazon’s Choiche“ ausgezeichnete Artikel sollen eine niedrigere Retourenquote haben oder eine bestimmte Quote sehr guter Bewertungen aufweisen.

Was bemängelt die Verbraucherzentrale an dem Amazon-Label?

Die Verbraucherzentrale fand bei den getesteten Artikeln gleich mehrere Unstimmigkeiten. So können Kunden diese außerhalb von Amazon oftmals günstiger kaufen. Das war bei 34 der 50 Produkte der Fall. Im Durchschnitt konnten User die Artikel auf anderen Plattformen 11 Prozent billiger erwerben. Als Beispiel führt die Verbraucherzentrale eine Säge von Hitachi an. Bei Amazon kostete diese 140,74 Euro. Auf Idealo dagegen lag der Preis bei lediglich 99 Euro. Doch damit nicht genug: Auch auf Amazon selbst konnten Kunden einen niedrigeren Preis für dasselbe Produkt ausmachen. So fanden die Verbraucherschützer ein mit dem Label ausgezeichnetes T-Shirt für 25,95 Euro. Dies war auf dem Marktplatz jedoch auch für 22,80 Euro erhältlich.

Neben dem Preis bezweifelt die Verbraucherzentrale die Repräsentativität der Bewertungen. So wies die Hälfte der mit Amazon’s Choice ausgezeichneten Artikel unter 50 Kommentare auf. 9 Produkte hatten nur 10 Bewertungen, ein Artikel sogar nur 3. Und: Im Durchschnitt kamen nicht alle Produkte auf 4 Sterne – eigentlich eine der Voraussetzungen für das Siegel.

Zudem waren nicht alle Artikel sofort lieferbar, wie vom Siegel versprochen. 10 Prozent waren nicht als Prime-Produkt verfügbar. Die Verbraucherzentrale fand sogar eine Hifi-Anlage und eine Mikrowelle, die eine Lieferzeit von 8 Tagen hatten.

Fazit der Verbraucherzentrale

Die Verbraucherzentrale kommt in ihrer Untersuchung zu dem Schluss, dass Kunden oftmals bessere Angebote verpassen, wenn sie Amazon‘s Choice vertrauen. Damit hat der Marktplatz nicht zum ersten Mal Ärger mit seinem Label. Bereits im Sommer letzten Jahres forderten US-amerikanische Politiker, Amazon müsse die Vergabekriterien für das Siegel offenlegen.

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