In Deutschland können stationäre Einzelhändler die digitalen Erwartungen der Kunden bisher nur teilweise erfüllen. Zwar wurden die Möglichkeiten der Digitalisierung erkannt, so dass sich mehr und mehr Ideen zur Vernetzung von Online und Offline am Markt finden, gleichzeitig wird das enorme Potenzial noch nicht ausreichend genutzt, um mit dem boomenden Versandhandel konkurrieren zu können. Wie steht die Digitalisierung des deutschen Einzelhandels im Vergleich zu anderen Märkten da? Wie weit fortgeschritten ist die Digitalisierung in Frankreich, Großbritannien und den USA?


Eine übersichtliche Infografik dazu liefert das Local-Commerce-Start-Up Locafox, das den digitalen Wandel des deutschen Einzelhandels mit dem in anderen Ländern verglichen hat.

Digitalisierung des Einzelhandels in Frankreich, Großbritannien und USA

Aktuelle Zahlen von Locafox zeigen: In Deutschland verfügen 84 Prozent der Top-Einzelhändler neben einem stationären Geschäft auch über einen Onlineshop. Frankreich steht mit 84 Prozent derzeit auf derselben Stufe. In Großbritannien und den USA ist die Digitalisierung des Einzelhandels ein gutes Stück weiter: Mit jeweils 96 Prozent bieten dort nahezu alle großen Shopbetreiber ihre Produkte auch online an. Hier müssen deutsche Einzelhändler also nachziehen. Kein Shop kann es sich leisten, online nicht vertreten zu sein. Kunden erwarten heute von stationären Geschäften nicht nur eine Online-Präsenz, sondern auch eine intelligente Vernetzung von Online und Offline, die ihnen ein umfangreiches Einkaufserlebnis beschert.

Mobile: Deutschland und Frankreich abgeschlagen

Großbritannien und die USA machen es vor: Wer über einen Onlineshop verfügt, muss diesen für mobile Endgeräte optimiert haben. In den USA sind ohne Ausnahme alle Shops der Top-Einzelhändler auf Tablets und Smartphones optimiert verfügbar. In Großbritannien liegt der Wert mit 92 Prozent ähnlich gut. Frankreich und Deutschland liegen mit gerade einmal 68 Prozent abgeschlagen dahinter. Dieser aktuelle Stand ist in Deutschland auch für Experten nach wie vor ein Rätsel. So wundert sich der IFH Köln bei der Analyse dieser Ergebnisse darüber, warum Onlineshops ihren Content nicht für Mobile optimieren, obwohl heute 44 Millionen User auf Smartphone und Tablet surfen und die Optimierung des eigenen Webshops für mobile Endgeräte keine Schwierigkeit mehr darstellt.

Die Digitalisierung des Handels in Form von Apps ist in Deutschland bisher auch nur bedingt umgesetzt. Lediglich 56 Prozent der Top-Einzelhändler versorgen ihre Kunden über eine mobile App mit Informationen. Nur Großbritannien hat mit 60 Prozent einen ähnlich niedrigen Wert aufzuweisen. Frankreich (76 Prozent) und die USA (88 Prozent) nutzen verstärkt mobile Apps, um Kunden bei Produktsuchen direkt in die eigene App zu lotsen und sie so schneller zum Kaufabschluss kommen zu lassen. Dieses Ergebnis stuft der IFH Köln jedoch nicht als Nachteil für den deutschen Einzelhandel ein. Nicht jeder Onlineshop eignet sich für eine App, da diese dem User regelmäßig einen Mehrwert bieten muss, damit diese genutzt wird. Jede zweite App wird von Konsumenten in Deutschland jedoch runtergeladen und nicht verwendet, da sie nicht die Erwartungen erfüllt.

Produktverfügbarkeit: Deutscher Einzelhandel mit gutem Wert

Je nach Produkt ist bei einigen Kunden der Einzelhandel nach wie vor der bevorzugte Einkaufskanal. Diese Kunden sind jedoch anspruchsvoller geworden, so dass sie nur ungern ins Geschäft vor Ort gehen, um dann festzustellen, dass der gewünschte Artikel nicht vorrätig ist. Aus diesem Grund haben 52 Prozent der Top-Einzelhändler in Deutschland in ihren Onlineshop eine Produktverfügbarkeitsanzeige integriert. Diese lässt Kunden überprüfen, ob das gewünschte Produkt im Laden aktuell vorhanden ist. 81 Prozent der deutschen Konsumenten schätzt diese Art der Produktanzeige, weshalb sie mehr und mehr fester Bestandteil der Digitalisierung des deutschen Einzelhandels wird. Nur im Vorreitermarkt USA hat mit 60 Prozent eine noch höhere Zahl an Händlern die Produktverfügbarkeit online einsehbar gemacht. Frankreich und Großbritannien liegen hier mit 44 Prozent bzw. 32 Prozent deutlich dahinter.

Diese niedrigen Werte könnten jedoch auf das Einkaufsverhalten der jeweiligen Länder zurückzuführen sein, wie weiteren Zahlen der Infografik von Locafox zeigen.

Großbritannien als Vorreiter des Buy & Collect

In Großbritannien bieten 84 Prozent der Händler das Verkaufsmodell Buy & Collect an, das Kunden Ware online bestellen und stationär abholen lässt. In Frankreich liegt dieser Wert bei 76 Prozent. Kunden könnten in diesen Märkten also Buy & Collect einer Produktverfügbarkeitsanzeige vorziehen, da sie auf diese Weise sichergehen, dass das gewünschte Produkt bereits erworben wurde, bevor sie sich auf den Weg ins stationäre Geschäft machen. In den USA liegt der Wert für Buy & Collect bei 64 Prozent. In Deutschland bietet gut jeder zweite Top-Einzelhändler (52 Prozent) diese Kaufmöglichkeit an. Gleichzeitig können deutsche Kunden bei 20 Prozent der Händler auf das Pendant Reserve & Collect zurückgreifen, das Ware online reservieren und im stationären Geschäft die finale Kaufentscheidung fällen lässt. Mit diesem Wert ist der deutsche Einzelhandel Spitzenreiter. Frankreich kommt hierbei auf 16 Prozent, UK und USA lediglich auf jeweils 12 Prozent.

Facebook als Bestandteil der Digitalisierung

Facebook ist mittlerweile fester Bestandteil der Digitalisierung des Einzelhandels. In Deutschland treten 96 Prozent der Top-Einzelhändler über Facebook mit ihrer Zielgruppe in Kontakt. In Großbritannien hat mit 100 Prozent jeder Shopbetreiber erkannt, dass Social Media ein unverzichtbares Mittel für Kundenbindung und Kundenkommunikation darstellt. Frankreich und die USA kommen hierbei auf 92 Prozent bzw. 96 Prozent.

Alle Ergebnisse auf einen Blick finden sich hier.

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