Auch wenn das Thema Delivery nicht mehr ganz so heiß gehandelt wird wie noch vor einem Jahr, da Händler nach und nach erkennen, dass Kunden eine günstige Lieferung einer schnellen Zustellung vorziehen, wird dennoch weiter an neuen Konzepten gearbeitet, wie man Konsumenten immer schnellere Lieferungen (gegen ein entsprechendes Entgelt) anbieten kann. Zalando arbeitet als einer der ganz großen Player am Markt aktuell an der Zustellung von Ware innerhalb von 30 Minuten. Wie ist dieses Vorhaben logistisch umsetzbar?

Wie soll die Zustellung in 30 Minuten funktionieren?

Die Zustellung von ortsnahen Regionallagern scheidet als Möglichkeit aus, da das Zeitfenster dafür in den meisten Fällen zu klein sein dürfte. Geplant ist laut Zalando daher ein engmaschiges Netz aus Partner-Geschäften vor Ort. Zalando müsste also zunächst einmal Händler für eine Zusammenarbeit finden und dann große Mengen an Artikeln dorthin auslagern. Diese Ware aus den angebundenen lokalen Geschäften müsste den Kunden von Zalando verfügbar gemacht werden. Geht also eine Bestellung ein und ist das Produkt bei dem lokalen Händler vorrätig, erfolgt der Versand von dort aus und die Order wird in 30 Minuten zugestellt. Ob dann überhaupt noch von einem Versand gesprochen werden kann, ist eine Definitionsfrage. Vielmehr handelt es sich bei einer Zustellung in 30 Minuten um eine Form des Lieferservices.

Kooperation mit lokalen Händlern

Eine Kooperation mit den Händlern vor Ort ist die Grundvoraussetzung für das ambitionierte Vorhaben. Der technische Aufwand, den Zalando dabei erbringen muss, ist immens und macht aus dem Mode-Händler ein Technologie-Unternehmen. Vereinfacht formuliert müsste Zalando bei den teilnehmenden Händlern die Lagerbestände sowie die in den Showrooms präsentierten Artikel in Echtzeit nachverfolgen können. Nur dann wäre Zalando in der Lage, die Umschlagshäufigkeit auf das einzelne Produkt runterzurechnen und damit den Umsatz zu ermitteln. Händler müssten sich bei einer Teilnahme an dem Vorhaben also darüber klar sein, all ihre Strukturen für das Mode-Unternehmen transparent zu gestalten. Damit diese Prozesse überhaupt möglich sind, müssten eingangs hohe Investitionen in dafür notwendige System gesteckt werden.

Umstrukturierung des Paketversands?

Dass sich lokale Händler eine derartige Kooperation entsprechend vergüten lassen würden, steht außer Frage. Insbesondere wenn Zalando mit diesem System tatsächlich einen massenmarkttauglichen Absatzkanal schafft und weitere, finanzstarke Unternehmen die Systematik nutzen würden, könnten die lokalen Händler davon profitieren.

Was genau könnte das für den klassischen Paketversand bedeuten? Die großen Versanddienstleister wie DHL, UPS oder Hermes würden sicherlich einen Umsatzverlust hinnehmen müssen. Letztendlich ist, wie bereits oben angesprochen, ein Wandel der Paketzustellung hin zum Lieferdienstservice denkbar. Jetzt müssen nur noch die Kunden ihre Prioritäten ändern.

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