Als Online-Bezahlservice der deutschen Kreditwirtschaft ist Paydirekt vor gut einem Jahr an den Start gegangen. Zeit für eine erste Zwischenbilanz. Wie steht es um das Payment-System? Ist der Markteinstieg geglückt?

Paydirekt: Aktuelle Kundenzahlen

Wie haben Verbraucher und Shopbetreiber das neue Bezahlsystem aufgenommen? Aktuelle Zahlen zeigen: Der Marktstart ist enttäuschend. Von den insgesamt rund 500.000 Onlineshops in Deutschland haben sich 330 für Paydirekt registriert. Große, wichtige Zugpferde sind dabei nur wenige an Bord. Auf Verbraucherseite kann der Payment-Dienst immerhin 750.000 Anmeldungen verzeichnen. Diese Zahl wird jedoch schnell relativiert, wenn man sich vor Augen führt, dass Paydirekt Zugang zu 50 Millionen Online-Bankkunden hat. Zahlen zu getätigten Transaktionen liegen nicht vor.

Hit-Potenzial auf dem Papier

Das enttäuschende erste Jahr kam für einige sicherlich etwas überraschend. Auf dem Papier sieht Paydirekt nämlich durchaus erstklassig aus. Als kritische und datensensible Verbraucher haben wir doch eigentlich genau auf einen Bezahldienst wie Paydirekt gewartet. Ein Bezahldienst aus dem eigenen Land, der den Transfer von so sensiblen Daten wie Bank-Details ernst nimmt. In der Praxis ist Paydirekt jedoch schlichtweg nicht in den Köpfen der Konsumenten angekommen.

Zu kompliziert für den Massenmarkt?

Warum konnte der Bezahldienst bisher nicht durchstarten? Händler haben mehrfach den komplizierten Registrierungsprozess bemängelt. Auch wenn Paydirekt eine Vereinfachung versprochen hat, die Nutzerzahlen sind seitdem nicht entscheidend gestiegen. Paydirekts primäres Ziel muss daher zunächst die Gewinnung von zahlreichen Neukunden auf Händlerseite sein. Nur so kann das Interesse von Online-Shoppern geweckt werden. Denn: Warum sollten sich Kunden für einen Bezahldienst registrieren, den kaum ein Shop anbietet?

PayPal als Blockade?

Bei der Suche nach den Gründen für den Fehlstart führt der gedankliche Weg nicht nur einmal zu PayPal. Der übermächtige Payment-Dienstleister gewinnt immer mehr Anteile am deutschen Payment-Markt und ist nicht mehr aus den Köpfen der Kunden herauszubekommen. Auch wenn die Datensicherheit des amerikanischen Unternehmens nicht deutsche Standards erfüllen kann, ist PayPal ein renommierter und vertrauenswürdiger Dienstleister, der in nahezu jedem Shop zu finden ist. So sind deutsche Verbraucher zwar datensensibel, aber sicherlich, wie jeder andere Online-Shopper der Welt, auch etwas faul.

%d bloggers like this: