Individualisierte Preise sind im Online-Handel ein Standard, den nur wenige Verbraucher beim Einkaufen tatsächlich wahrnehmen. In der Praxis aber variieren Preise so nicht nur von Onlineshop zu Onlineshop, sondern oft auch abhängig von Wohnort, den Einkaufsgewohnheiten oder vom benutzten Endgerät der Kunden.


Tests zeigen: Besonders Reiseportale zeigen gern Nutzern mit Apple-Geräten teurere Hotels an als Usern anderer Plattformen. Im Rahmen einer Untersuchung hat die US-Uni Northeastern University den Reiseanbieter Travelocity nach den Gründen für die Preisdifferenzen gefragt. Dort gab man an, Kunden überzeugen zu wollen, für günstigere Preise die hauseigene App zu nutzen.

Die Gründe dürften in der Praxis vielfältiger Art sein. Wohnregionen in Deutschland weisen eine unterschiedliche Kaufkraft der Verbraucher auf, so dass die Preise daran schlichtweg angepasst werden. Ein durchschnittlicher Konsument in Düsseldorf ist eher bereit, 1000 Euro für einen Laptop auszugeben als ein Konsument im 30 km entfernten Duisburg. Am bekanntesten sind sicherlich die Preisunterschiede, die anhand der Cookie-Einstellungen der User vorgenommen werden. Sucht ein Verbraucher mehrfach nach Flügen auf einem Reiseportal, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Preise mit wachsender Zahl der Suchanfragen ebenfalls steigen werden. Während hierbei höhere Preise durch Einstellungen am Laptop vermieden werden können, sind Bewohner bestimmter Städte hilflos gegenüber Wohnort-bezogenen Preisen.

Individualisierte Preise: Schärfere Gesetzte notwendig?

NRW-Verbraucherminister Johannes Remmel ist daher entschieden gegen individualisierte Preise und prüft aktuell schärfere Gesetzte gegen die Praxis der Online-Händler. Er will verhindern, dass sich dieses Vorgehen weiter in Deutschland ausbreitet, da er verschiedene Preise abhängig von Wohnort, Konsumgewohnheiten oder Endgeräten als unfaire Preispolitik einstuft. Daher seien gewisse Gesetzesverschärfungen notwendig, um die Rechtslage an die Entwicklungen unserer heutigen vernetzten, digitalen Welt anzupassen.

Individualisierte Preise: Kunden mit Zuspruch für Vereinheitlichung

Die Mehrheit der Konsumenten aus NRW unterstützt die Bemühungen des Verbraucherministers. So zeigte kürzlich eine Umfrage im Auftrag der Funke-Zeitungen, dass sich mehr als jeder zweite Verbraucher in Nordrhein Westfalen (57 Prozent) für eine Vereinheitlichung der Preise am Markt ausspricht. 38 Prozent der Studienteilnehmer ziehen individualisierte Preise der Online-Händler vor. Einig waren sich die Befragten besonders bei treuen Kunden. Sie sollten mit niedrigeren Preisen belohnt werden. Eine Unterscheidung nach Wohnort stieß bei den meisten Online-Shoppern auf Ablehnung. Befragt wurden insgesamt 1000 Verbraucher.

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