Die Vielzahl der rechtlichen Anforderungen an Shop-Betreiber sowie die ständig neue Gesetzgebung lassen das Gefühl entstehen, dass der E-Commerce mittlerweile überreguliert ist. Die Berichterstattung über zahlreiche Abmahnungen unterstreicht diesen Eindruck. Wie gefährdet sind deutsche Händler? Die Abmahnstudie des Händlerbundes klärt auf.

Abmahnstudie: Jeder vierte Händler eine Abmahnung pro Jahr

Die Ergebnisse der Abmahnstudie bestätigen die Einschätzung vieler Shop-Betreiber, dass die Zahl der Abmahnungen im E-Commerce zunimmt. So wurde jeder vierte Händler im vergangenen Jahr mindestens einmal abgemahnt. Im Jahr davor war es nur jeder Fünfte. Bei einigen Händlern blieb es zudem nicht bei einer Abmahnung. 8 Prozent erhielten gar zwei Abmahnungen in 2016. 3,3 Prozent flattern gar vier Abmahnungen in die Briefkästen.

Zahlen, bei denen man sich fragt, wo all diese Rechtsverstöße entstanden sein können. Die weiteren Ergebnisse der Studie zeigen: Der Großteil der Abmahnungen beruht auf Verstößen gegen das Wettbewerbsrecht (53 Prozent). Gut jede zehnte Abmahnung (11 Prozent) ist auf einen Urheberrechtsverstoß zurückzuführen. 10 Prozent basieren auf einer Verletzung des Markenrechts.

In der Praxis heißt das: Viele Abmahnungen beruhen auf unzulässigen Werbeaussagen, unerwünschten Mailings und, immer noch aktuell, auf einem fehlenden Hinweis auf die OS-Plattform.

Abmahnungen: Belastung für Händler?

Wie nehmen Händler die wachsende Zahl an Abmahnungen wahr? Wächst auch die Belastung dadurch? 78 Prozent gaben an, dass die Belastung im letzten Jahr angestiegen oder aber gleichgeblieben ist. 22 Prozent sprechen von einer gesunkenen Belastung.

Auch wenn sich einige Shop-Betreiber nicht zusätzlich belastet fühlen, die Umgangsweise mit Abmahnungen findet einen raueren Ton im E-Commerce. Denn: Wurden 2015 noch 21 Prozent der Abmahnungen außergerichtlich geklärt, waren es im letzten Jahr nur noch 12 Prozent. Damit landeten logsicherweise auch mehr Fälle vor Gericht. Ein Anstieg von 7 auf 13 Prozent ist hier zu verzeichnen.

Dass das auch den Geldbeutel der Händler belastet, ist offensichtlich. 72 Prozent der Abmahnungen kosteten mehr als 1000 Euro. 6 Prozent mussten über 3000 Euro zahlen.

Über die Studie

Der Händlerbund befragte für seine Abmahnstudie 534 Händler dazu, inwiefern sie im Jahr 2016 mit Abmahnungen konfrontiert wurden und wie sie damit umgegangen sind. Die gesamte Studie kann hier kostenlos eingesehen werden.

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